Am Anfang war das Feuer
Jürgen Schmidhuber hat die Grundlagen der modernen KI in den 1990er Jahren mitentwickelt, lange bevor ChatGPT ein Begriff war. Der deutsche Informatiker forschte jahrzehntelang im Tessin, seine Verfahren stecken heute in Milliarden von Smartphones. Auf die Frage nach den Gefahren der KI antwortet er seit Jahren mit demselben Bild: «KI ist ein wenig wie Feuer. Feuer hat auch zwei Seiten: Es ist sehr hilfreich, man kann damit kochen und sich warm halten. Aber man kann auch andere Leute damit verbrennen.»
Das Bild lohnt einen zweiten Blick. Die Menschen der Urzeit hatten das Feuer nämlich nicht im Griff. Sie fanden es nach Blitzeinschlägen, hüteten die Glut und trugen sie von Lager zu Lager. Erlosch sie, war sie verloren: Selbst entzünden konnten sie ein Feuer erst viele Jahrtausende später. Und ein Funke zur falschen Zeit brannte das eigene Lager nieder. Wer das Feuer nutzen wollte, musste zuerst lernen, es zu begrenzen: eine Grube, ein Ring aus Steinen, jemand, der die Glut hütet.
Mit der KI stehen wir an einem ähnlichen Punkt. Die Wirkung ist offensichtlich, die Kontrolle noch nicht. Entsprechend formiert sich Widerstand: Gemeinden wehren sich gegen neue Rechenzentren, Belegschaften gegen den KI-Einsatz im Betrieb. In Europa kommen Vorbehalte gegenüber den amerikanischen Anbietern dazu, gegenüber den chinesischen erst recht. Diese Vorbehalte haben ihre Berechtigung. Nur ändern sie nichts an der Lage: Die grossen Modelle entstehen in den USA und in China, Europa und die Schweiz nutzen vor allem, was andere gebaut haben. Warten ist auch eine Entscheidung, bloss keine gute. Das Feuer breitet sich aus, ob wir zuschauen oder nicht.
Der Vergleich hat allerdings eine Schwäche, und die sollte man kennen. Feuer will nichts. Es breitet sich nach den Gesetzen der Physik aus, es plant nicht, es verfolgt keine Ziele. Moderne KI-Systeme dagegen werden zunehmend agentisch: Sie zerlegen Aufgaben, treffen Zwischenentscheidungen und handeln über mehrere Schritte selbständig. Das Bild vom Feuer hinkt also genau dort, wo es am meisten beruhigt. Für den Umgang heisst das: Zündhölzer wegsperren reicht nicht. Es braucht die Feuerstelle.
Für einen Betrieb bedeutet das, die Flamme kontrolliert ins Haus zu holen, bevor sie unkontrolliert hereinkommt. Und hereinkommen wird sie: über Mitarbeitende mit privaten KI-Konten, über Software-Updates, über den Wettbewerb. Die Feuerstelle des Betriebs ruht auf vier Steinen, wir nennen sie die vier Säulen: Prozesse und Organisation, Datenhygiene, Infrastruktur, Compliance. Darauf brennt zuerst eine kleine Flamme, ein begrenzter Anwendungsfall mit messbarem Nutzen, etwa ein Assistent, der mit RAG auf dem eigenen Firmenwissen arbeitet. Und am Feuer stehen Menschen, die damit umgehen können. Ausbildung heisst dabei zweierlei: das Werkzeug bedienen können und verstehen, wo es im eigenen Betrieb Nutzen stiftet, und wo besser nicht.
Die Menschheit hat das Feuer nie wieder hergegeben. Sie hat Herde gebaut, Öfen, Kraftwerke, und daneben Brandmauern und Feuerwehren. Beides gehört zusammen. Wer heute im Betrieb die Feuerstelle baut, entscheidet selbst, was brennt. Die anderen überlassen es dem Funkenflug.
Der erste Schritt. Der Umgang mit dem Feuer lässt sich lernen. Unsere betriebliche KI-Ausbildung beginnt genau dort: beim Fundament aus vier Säulen und bei der kleinen, kontrollierten Flamme. Die Module 1 und 2 sind für die ersten 50 Plätze kostenlos, maximal zwei pro Firma. Damit die erste Flamme in Ihrem Betrieb dort brennt, wo Sie es entschieden haben.
Das Feuer kommt so oder so. Die Feuerstelle ist Ihre Entscheidung.
Autor: Georges Leuenberger, im Dialog mit Claude (Anthropic).